Zur Behandlung von Parenthesen in der Geschichte der Sprachtheorien

Résumé : Dieser Vorschlag schreibt sich in die im Vortragsaufruf genannte historiographische Perspektive ein. Genauer gesagt möchte ich die Behandlung der Parenthesen in der deutschsprachigen Sprachdiskussion des 17. bis 19. Jhs. untersuchen, da hier systematische Analysen bisher noch fehlen. Es gilt also eine Forschungslücke in unserem wissenschaftsgeschichtlichen Wissen zu füllen und gleichzeitig aktuelle Theorieansätze historisch zu situieren. In meinem Vortrag möchte ich zeigen, wie deutschsprachige Sprachtheoretiker des 17. - 19. Jahrhunderts Parenthesen (auch: Einschub, Einschiebung, Einschaltung, Schaltsatz) in typographischer, syntaktischer, semantischer, textueller und pragmatischer Perspektive behandeln, welche Einflüsse dabei zur Wirkung kommen und welche Entwicklungen zu beobachten sind. Parenthesen gehören seit der Antike zu den Stilfiguren und werden in der rhetorischen Tradition als sprachliche Mittel betrachtet, die zur wirkungsvollen Textgestaltung beitragen, indem sie die Kernaussage ergänzen oder kommentieren (vgl. Schreiter 1991). Seit dem Mittelalter wird zusätzlich die "Störung" (interruptio, perturbatio) betont, die Parenthesen in der regelmäßigen Satzkonstruktion hervorrufen (vgl. Hähnemann / Rupp 2003). Beide Aspekte finden sich in den Anfängen der deutschsprachigen Sprachdiskussion im 17. Jh. wieder, wo Parenthesen als ein Phänomen beschrieben werden, das außerhalb der Satzstruktur und / oder außerhalb eines als primär angesehenen Sinngeflechts stehen (vgl. z.B. Pudor 1672: 56). Auf dem Hintergrund der Topoi einer natürlich-logischen Wortfolge und der "Klarheit" im sprachlichen Ausdruck gewinnt die normativ-kritische Sicht auf den "störenden" Charakter von Parenthesen ab Ende des 17. Jhs. immer mehr an Bedeutung und scheint mindestens bis Ende des 18. Jahrhundert - Anf. des 19. Jhs. zu dominieren (vgl. z.B. Gottsched 17595: 34, Adelung 1785, I: 195, Moritz 1794: 115). Ab Mitte des 18. Jhs. begegnet in verschiedenen Bereichen der deutschen (und europäischen) sprachtheoretischen Diskussion aber auch immer regelmäßiger die Berücksichtigung sprecherpsychologischer, kommunikativer und textueller / textgrammatischer Aspekte (vgl. z.B. Clarke & Nerlich 1996, Haßler 2009, Spitzl-Dupic 2010, 2012 und in Vorbereitung). Diese Perspektiven auf Sprache und ihre Verwendung könnten den Hintergrund für eine Annäherung an Parenthesen darstellen, die deren - im weiten Sinn - kommunikatives Potential ermittelt. Unsere bisherigen Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass diese Perspektiven erst später zum Tragen kommen, ein Ergebnis, das sicherlich mit der zeitgenössisch noch nicht ausgereiften Theorie komplexer Sätze in Zusammenhang zu bringen ist, allerdings auch noch weiterer Überprüfung bedarf. Unsere bisherigen Untersuchungen haben auch ergeben, dass spätestens ab den 1830er Jahren unterschiedliche Ansätze zur Analyse von Parenthesen entstehen, die von der normativ-kritischen Perspektive Abstand nehmen und morphosyntaktische, textanalytische und semantisch-pragmatische Sichtweisen entwickeln (vgl. z.B. Herling 1830, 1: 164 ff., Bauer 1833, V: 73 ff., Götzinger 1839, 1.2.: 406 ff.). Wir möchten diese genauer durchleuchten und schließlich einen Ausblick auf die weitere Entwicklung in der Behandlung der Parenthesen geben.
Type de document :
Communication dans un congrès
PARENTHETISCHE EINSCHÜBE / PARENTHÈSES, Mar 2014, Clermont-Ferrand, France
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Contributeur : Friederike Spitzl-Dupic <>
Soumis le : mardi 21 janvier 2014 - 17:58:28
Dernière modification le : mercredi 29 novembre 2017 - 15:01:54

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Friederike Spitzl-Dupic. Zur Behandlung von Parenthesen in der Geschichte der Sprachtheorien. PARENTHETISCHE EINSCHÜBE / PARENTHÈSES, Mar 2014, Clermont-Ferrand, France. 〈hal-00934307〉

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